wir fürs Land – Verlauf

17. Mai 2009 at 3:45 pm 6 Kommentare

Es ist jetzt Sonntag, 17.00 Uhr und ich sitze bei strömenden Regen im Bauwagen. Irgendwie symptomatisch für unsere 72-Stunden-Aktion. Denn vor Überraschungen waren wir einfach nicht geschützt.

Aber ganz von vorne: “Ich wusste von Anfang an, dass ich mich auf euch verlassen kann.” 72 Stunden nachdem er dies gesagt hatte, wusste “Agent” Alexander Mader, dass er mit seiner Einschätzung richtig lag. Aber um was geht’s? Es war in Gnodstadt in letzter Zeit ja kaum noch möglich, nichts von der geplanten 72-Stunden-Aktion mit zu bekommen, die deutschlandweit von der Landjugend organisiert wurde und in der es darum ging, in drei Tagen ein gemeinnütziges Projekt auf die Beine zu stellen. Jetzt können wir sagen: Es war ein voller Erfolg! Los ging’s am Donnerstag, 14.5. am Rathaus. Zu diesem Zeitpunkt wusste noch niemand, mit was wir das Wochenende verbringen werden. Und auch die Dorfbewohner waren neugierig und fanden sich pünktlich und zahlreich ein. Apropos pünktlich: Der wichtigste Mann, Alexander Mader, kam mit dem Glockenschlag um 18.00 die Ecke. In seiner anschließenden Ansprache fasste er sich kurz und erklärte schnell die Aufgabe: Der Weg, der die Siedlung mit dem Altort verbindet, wird von  uns renoviert werden.

Nachdem wir uns während den Grußworten des Dr. Otto Hünnerkopf, MdL, des 2. Bürgermeisters Herbert Biebelriether und unseres Vorstandes Michael Hanselmann noch zurück gehalten hatten, ging es dann auch schon los. Die T-Shirts wurden verteilt und die Planung war in vollem Gange. Welche Maschinen bekommen wir wo her? Wie organisieren wird die Essensverteilung? Zahlreiche Fragen waren zu klären. Und die besonders eifrigen starteten während dessen bereits damit, die an den Weg angrenzende Wiese zu mähen und einen uralten Zaun sowie die eingewachsenen Bäume zu entfernen. Gleich am ersten Tag wurde an der Baustelle bis 22.30 geschuftet. Schon am selben Abend hatten wir uns entschlossen, die in der Aufgabe gestellte Forderung nach einer digitalen Dokumentation mithilfe einer Webcam und einem Blog live von der Baustelle nach zu kommen. Die Homepage ging noch am selben Abend online.

Am nächsten Tag, dem Freitagmorgen, ging es dann so richtig los. Schon früh um 6.00 versammelten sich zahlreiche motivierte Helfer mit Werkzeug ausgerüstet an der Baustelle. Einige Zeit später traf dann auch der allseits auf Begeisterung stoßende Minibagger ein. Während ein Teil begann, die Natursteinmauer zu konstruieren, waren die meisten Helfer damit beschäftigt, die Oberfläche des Weges viele Zentimeter tief ab zu tragen. Was für eine Arbeit! Was mit dem Bagger noch so leicht aussah, war von Hand schon ein ganzes Stück anstrengender: Boden aufhacken, Steine und Eisen entfernen, Erde auf die Schubkarren schaufeln und dann mit dem Schlepper entsorgen. Da waren wir erst einmal beschäftigt. Doch am Ende des Tages war ein Starkstromkabel für Straßenlampen verlegt, der Weg begradigt und mit Split aufgefüllt. Zudem nahm die Natursteinmauer beachtliche Konturen an. Wir waren also auf einem guten Weg, was zu allgemeiner Zufriedenheit führte.

Und auch am Samstag ging’s früh um 6.00 los. Vielen waren die Mühen des Vortags noch an zu sehen, aber nichts desto trotz machten wir uns wieder voll motiviert an die Arbeit. Es hatte über Nacht geregnet, was uns die Arbeit zunehmend erschwerte. Der Schlepper, der den Abraum entsorgte rutschte mehr als dass er fuhr und die beladenen Schubkarren waren kaum zu beherrschen. An der tiefsten Stelle des Weges wurde heute ein Abflussrohr installiert. Auch die Natursteinmauer ist vollendet. Aber nicht nur das! Dank zahlreicher Helfer konnten wir eine solange Menschenkette bilden, dass die Pflastersteine rasend schnell dort ankamen, wo sie gebraucht wurden, was dazu führte, dass am Abend der ganze Weg tatsächlich gepflastert war. Damit war das Ziel allerdings noch nicht erreicht: Die für den Zaun benötigten Pfosten mussten noch heute einbetoniert werden, damit sie über Nacht trocknen konnten. Tja, und so kam es dann, dass einige Helfer wirklich bis 0.30 auf der Baustelle ausharrten. Wohlgemerkt, seit 6.00!

Am Sonntag war das Ende dann schon ab zu sehen. Aber trotzdem war 6.00 wieder Arbeitsbeginn. Die Vortage hatten bei vielen ihre Spuren hinterlassen. Rechts und links vom Pflaster wurde noch eine Stütze betoniert und auch der Mauer wurde mit Beton mehr Halt verliehen. Als auch das erledigt war, hieß es, sich um die Kleinigkeiten zu kümmern. Zeitdruck hatten wir kaum, und so konnten wir diese einigermaßen entspannt erledigen: Der Seitenstreifen wurde mit Humus und Rindenmulch aufgefüllt und an der Biegung des Weges wurde spontan die Idee entwickelt, ein paar Pflanzen zu setzten, was sich als herrliche Auflockerung entpuppen sollte. Und dann hieß es noch: Aufräumen! Man glaubt nicht, wie zeit- und kräfteraubend das noch sein kann. Straßen und Geräte säubern, Flaschen aufsammeln und und und…diese Liste ist endlos. Und als auch das erledigt ist, beginnen die Planungen für die Eröffnung. Diese soll am Abend mit dem ganzen Dorf statt finden. Auch Otto Hünnerkopf hat sich wieder angekündigt. Wir liegen so gut im Plan, dass wir vorher sogar noch duschen können.

Der plötzlich einsetzende Regen hält uns nicht auf. Die Vorbereitungen laufen trotzdem. Mit sovielen interessieren Dorfbewohnern hatte allerdings niemand gerechnet! Es ist kurz vor 18.00: gemeinsam zählen wir die letzten 10 Sekunden herunter und nach einigen kurzen Ansprachen kann der Weg dann auch offiziell zum ersten Mal getestet werden. Und, wie sollte es anders sein, die Menge ist begeistert. Anschließend feiert das ganze Dorf das Gelingen der Aktion. Damit auch wirklich jeder im Trockenen sitzt, sind wir in einen nahegelegen Rohbau umgezogen. Da dieser jedoch auch nicht genügt, werden fluchs noch einige Zelte aufgebaut. Dass Otto Hünnerkopf, anders als versprochen, nicht anwesend ist, fällt kaum jemandem auf. Und dann kann die Anspannung endlich weichen: Bei Bier, Bratwürsten, Steaks und Kuchen feien wir ausgiebig mit dem ganzen Dorf und blicken stolz und vielleicht sogar etwas wehmütig auf die letzten 72 Stunden zurück.

wir fürs Land – so heißt die Aktion. Das Land, das sind nicht nur wir als Landjugend, sondern das beinhaltet das ganze Dorf. Und somit fühlte sich auch das ganze Dorf angesprochen. Konstant an allen Tagen waren stets nicht nur bis zu 40 Jugendliche sondern auch Junggebliebene am Werk. Diese konnten mit ihrer Erfahrung wertvolle Hilfe leisten! Aber nicht nur das: An allen Tagen waren wir super mit Essen und Trinken versorgt. Nicht nur durch den nahe gelegenen Bäcker, der uns viel vorbei brachte, auch viele Hausfrauen ließen es sich nicht nehmen, uns mit belegten Brötchen und ähnlichem neu zu stärken! Ein herzliches Dankeschön! Und noch etwas verdient Erwähnung: Manche mögen schon beim ersten Satz gestutzt haben, aber ja, ich sitze wirklich im Bauwagen und blogge von der Baustelle. Dank unseres PC-Experten vor Ort konnten wir im Bauwagen online gehen, also eine Webcam installieren, bloggen und twittern. Hierfür auch ein recht herzliches Dankeschön! Das stieß dann sogar bei der Bundesvorstandschaft in Berlin auf große Begeisterung. Und ein rießengroßes Dankeschön  geht natürlich an alle Helfer!

Übrigens: Mittlerweile scheint die Sonne :)

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Es hat sich gelohnt – die Eröffnung wir fürs Land – Fazit

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Die Landjugend Gnodstadt berichtet und dokumentiert mit diesem Blog durchaus subjektiv ihre 72-Stunden-Aktion vom 14.-17.05.09

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